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Presseinformation 48/00 16.11.00 |
Fachgebiet Graphisch-Interaktive Systeme an der TU Darmstadt feiert 25jähriges Bestehen Wirklich etwas verstanden von Computern haben vor 25 Jahren nur wenige und außergewöhnliche Menschen. Zu den Visionären in diesem kleinen Zirkel gehörte der damals 34jährige José L. Encarnação, Professor für Informatik an der Universität Saarbrücken. Mit seiner Berufung 1975 an die Technische Hochschule Darmstadt im Fachbereich Informatik verbunden ist die Gründung des Fachgebietes Graphische Datenverarbeitung, dessen Leitung er übernahm. Zu dieser Zeit kamen fast alle Rechner und Programme für die Graphische Datenverarbeitung aus den USA; doch selbst dort galt die Computergrafik noch als kaum ernstzunehmende Beschäftigung einiger langhaariger Freaks, die in abgedunkelten Computerlaboren programmierten. Am 16. November 2000 feiert das Fachgebiet GRIS sein 25jähriges Bestehen und kann auf eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte zurückblicken: Aus kleinen Anfängen ist in Darmstadt ein Schwerpunkt der Graphischen Datenverarbeitung von Weltrang entstanden. Gleichzeitig hat sich auch die Bedeutung der Graphischen Datenverarbeitung gewandelt: vom exotischen »Nischenfach« zu einer Schlüsseltechnologie, die nahezu alle Lebensbereiche verändert hat und die treibende Kraft für die Innovationen der Zukunft ist.: Ohne die Computergrafik gäbe es keine bunten Bilder im Internet, die Zahlenkolonnen am Monitor wären für Normalbürger nicht zu entschlüsseln und 3D-Ultraschallbilder würden zum Reich der Utopie gehören. Erst die stetig wachsende Rechnerleistung und die Evolution der Computergrafik schaffte die Basis für viele Fortschritte in so unterschiedlichen Gebieten wie Medizin und den Naturwissenschaften, Produkts?ionstechnik und Verkehrswesen, Architektur und Kunstgeschichte.
Die Anfänge Eine besonders enge Verbindung von Lehre und Forschung ist charakteristisch für die Arbeit am Fachgebiet GRIS. Um diese fruchtbare Zusammenarbeit auch weiterhin zu gewährleisten, was?ren jedoch zunehmend größere Finanzmittel nötig. Außerdem hatte der Fachbereich Anfang der 80er Jahre einen immensen Zulauf von Studierenden zu verzeichnen. Nach jahrelangen zähen Debatten mit der Hochschulverwaltung um leere Töpfe und angesichts des stagnierenden Ausbaus des Fachgebietes entschloss sich Professor Encarnacao zu einer völlig neuen Form der Kooperation zwischen Hochschule und Wirtschaft: 1984 entstand das Zentrum für Graphische Datenverarbeitung ZGDV als gemeinnütziger Verein, mit dem Ziel, den Technologietransfer zwischen Forschung und Wirtschaft zu ermöglichen. Mit der Gründung des ZGDV eröffneten sich für GRIS neue Anwendungsfelder -und zugleich neue Partnerschaften sowie Investitionschancen. Industrie und Forschung kamen nun an einen Tisch. Unternehmen wie Siemens und Daimler gehörten fortan zu den hochklassigen Projektpartnern des ZGDV. Ein weiterer Schritt, um die Lehre und markt-unabhängige Basisforschung von GRIS in Richtung angewandte Forschung zu erweitern, erfolgte schließlich 1987: Die Fraunhofer-Gesellschaft richtete die wissenschaftliche Arbeitgruppe für Graphische Datenverarbeitung AGD ein, die sich fünf Jahre später in Form des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung IGD etablierte. Die Wiedervereinigung bot die Chance zur Expansion: 1990 wurde eine ZGDV-Außenstelle in Rostock gegründet, zwei Jahre später kam der IGD-Institutsteils in der Hansestadt hinzu. 1993 gründete das ZGDV die Niederlassung Centro de Computação Gráfica in Coimbra, Portugal. Seit 1999 besteht das Fraunhofer-Anwendungszentrum für Computergrafik in Chemie und Pharmacie (AGC) in Frankfurt am Main. Ende der 90er Jahre ss?ind Außenstellen des Fraunhofer IGD in den USA und Singapur entstanden. Diese Präsenz trägt dazu bei, technische Trends frühzeitig zu erkennen und auf den Zukunftsmärkten global vertreten zu sein. Alle diese Institutionen kooperieren intensiv mit den lokalen Universitäten. Was 1975 mit drei Mitarbeitern begann, bildet heute ein internationales Forschungsnetzwerk mit mehr als 800 Beschäftigten, das INI-GraphicsNet. Zugleich konnte GRIS, das Fundament und die »Keimzelle« des Netzwerkes, seine eigenständigen Forschungsarbeiten weiter ausbauen: Die Abteilung »rechnergestütztes Lernen« nimmt mit ihren Lern- und Lehrsystemen auch international eine Vorreiterrolle ein. Dank dem Enagagement der GRIS-Wissenschaftler um verlässliche Standards wird das Lernen und Lehren in leistungsfähigen multimedialen Umgebungen sich qualitativ und quantitativ stetig verbessern. Die Forscherinnen und Forscher der Abteilung »3D Graphics Computing« beschäftigen sich mit Visualisierung und Modellierung vorzugsweise im dreidimensionalen Raum. Sie arbeiten an neuen Basistechnologien, die den Menschen künftig durch reale und digitale bzw. virtuelle Welten führen sollen. Dazu gehört die Entwicklung von multimodalen Benutzungsschnittstellen, das heißt neuartigen Techniken zur Animation und interaktiven Steuerung von virtuellen Bedienassistenten, so genannten Avataren. In weiteren Projekten beschäftigen sich die Mitarbeiter der Abteilung mit neuen Verfahren im Bereich »Morphing«, die es ermöglichen Objekte im dreidimensionalen Raum übergangslos zu modellieren. Ein entscheidender Faktor für den Erfolg des Fachgebietes GRIS wie auch der anderen Institutionen sind die Studierenden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die für das INI-GraphicsNet t&aus?ml;tig sind: ihre Kreativität, ihr Können und ihr großes Engagement machen die Spitzenleistungen in Lehre und Forschung erst möglich. Sie folgen damit Prof. Encarnação, dem Motor und Impulsgeber des Netzwerkes, in seinem Grundsatz: »Wer keine Vision hat, der wird die Realität nicht bestehen«. Mit seinen innovativen Arbeiten haben die Forscherinnen und Forscher des Fachgebietes Graphisch-Interaktive Systeme nicht nur dazu beigetragen, Graphische Datenverarbeitung in Deutschland als Technologie, als Werkzeug und als Entwicklungsbasis zu etablieren; Prof. Encarnação ist seinem 1975 formulierten Credo treu geblieben und formuliert es heute so: »Der Rechner muss den Menschen bedienen und nicht umgekehrt. Die Computergrafik wird hier zur treibenden Kraft, denn nichts wird weltweit leichter verstanden als Bilder - der Mensch ist nun mal ein Augentier.« Kurzprofil INI-GraphicsNet: Das internationale Netzwerk der Graphischen Datenverarbeitung (INI-GraphicsNet) besteht aus dem Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD), dem Zentrum für Graphische Datenverarbeitung (ZGDV) e.V., beide in Darmstadt und Rostock, und dem Fachgebiet Graphisch-Interaktive Systeme (GRIS) der Technischen Universität Darmstadt. Weitere Institutionen des Netzwerkes sind das Fraunhofer-Anwendungszentrum für Computergraphik in der Chemie und Pharmazie (AGC) in Frankfurt, das Fraunhofer Center for Research in Computer Graphics (CRCG) in Providence, Rhode Island (USA), das Fraunhofer Centre for Advanced Media Technology (CAMTech) in Singapur und das Centro de Computação Gráfica (CCG) in Coimbra (Portugal). Innerhalb des Netzverbundes sind an den sechs Standorten über 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie mehr als 450 wissenschaftliche Hilfskräfte beschäftigt. Bei einem Haushalt von über 70 Millionen DM bildet das INI-GraphicsNet weltweit den größten Forschungsverbund auf dem Gebiet der Graphischen Datenverarbeitung.
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